Als erstes Unternehmen betreibt Transkom ein WiMAX-Pilotprojekt in Kaiserslautern seit dem 20.10.2005
Was WiMAX ist
WiMAX (Abk. für Worldwide Interoperability for Microwave Access) ist eine Technik nach einem
vergleichweise neuen Standard (nach
IEEE 802.16)
für Funknetze, der ursprünglich für den Einsatz in Großstädten (Metropolitan Area Network) konzipiert wurde und einen
drahtlosen Breitband-Internetzugang (BWA
Broadband Wireless Access) ermöglicht. WiMAX ist neben einer Reichweite
von bis zu 50 km und einer maximalen Übertragungsrate von 109 Mbps deutlich leistungsfähiger, als die anderen zur Verfügung
stehenden Techniken für Breitband-Internetzugänge, wie z.B. DSL oder WLAN. In der aktuellen Spezifikation 802.16-2004 werden
auch Verbindungen ohne direkten Sichtkontakt (NLOS- Near Line of Sight) berücksichtigt, die eine Datenübertragung zwischen
Basistation und Empfänger über Hindernisse hinweg ermöglichen und so die Empfangssituationen in eng bebauten Gebieten
(Reflektionen, keine Sichtverbindung) berücksichtigen.
Für den Empfang muß die Antenne des Empfängers entweder an der Außenwand oder aber innerhalb des Hauses fest angebracht sein.
Man bezeichnet den stationären WiMAX-Empfang über IEEE 802.16-2004 auch als "Fixed WiMAX". In Deutschland finden bereits erste
Testbetriebe bzw. Pilotprojekte mit diesem Standard statt (in Kaiserslautern durch die Transkom GmbH). Aufgrund der großen
Reichweite ist WiMAX insbesondere ideal für die Versorgung von dünn besiedelten, weitläufigen Gebieten geeignet.
In der nächsten Ausbaustufe von WiMAX IEEE802.16e wird der mobile Empfang mit Notebooks und Handys integriert,
der auch den Wechsel zwischen verschiedenen Funkzellen (Roaming) unterstützt. Dabei soll eine maximale Übertragungsrate von
15 Mbps und eine maximale Reichweite von 5 km erreicht werden.
Fachleute gehen davon aus, dass WiMAX die Lösung für die "letzte Meile" (Anbindung von Privathaushalten und Unternehmen
an das Internet) in den Gebieten werden kann, in denen keine wirtschaftlich sinnvolle DSL-Versorgung möglich ist.
Namhafte Hersteller wie Alcatel oder Intel beteiligen sich an der Entwicklung der WiMAX-Technologie und haben begonnen,
Chips für breitbandige drahtlose Internetverbindungen und entsprechende Endgeräte zu entwickeln.
Theoretische Daten von WiMAX
50 km Reichweite
109 Mbps Datenrate (bei 28 MHz Kanalbreite)
Empfänger im Aussen- und Innnenbereich
keine Sichtverbindung nötig (NLOS, Near Line of Sight)
bewegte Empfangsstationen
Ist WiMAX bereits verfügbar?
Die Bundesnetzagentur erteilt den Startschuß nicht vor März 2006; jedoch
ist mit einer Verfügbarkeit erst gegen Mitte 2006 zu rechnen. Bis dahin
können Sie gerne Transkom WLAN nutzen: hier anmelden.
WiMAX Technik
Ähnlich wie in Mobilfunknetzen versorgt eine Basisstation, die aus mehreren Sendeantennen bestehen kann, eine Funkzelle.
Alle Nutzer einer Funkzelle teilen sich die darin enthaltene Bandbreite.
Zur Datenübertragung nutzt WiMAX das Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing), welches die
Datenpakete in einer bestimmten Zeit parallel überträgt. Das OFDM-Verfahren ist besonders unempfindlich gegenüber
Störungen und Reflexionen, bzw. können hier Reflexionen sogar zur Verbesserung des Empfangssignals führen.
Deshalb eignet es sich besonders für den Einsatz in dicht bebauten Gebieten und bei nicht vorhandener Sichtverbindung.
Je nach Qualität des Sendesignals, welches durch den Signal-Rauschabstand ausgedrückt wird, kann auch das Modulationsverfahren
angepasst werden.
In WiMAX ist bereits ein Quality of Service (QoS) integriert. QoS bezeichnet in IP-Netzen die Bevorzugung
von Datenpaketen anhand von bestimmten Eigenschaften und Merkmalen. Durch so ein Verfahren können Datenpakete von
Sprachdiensten (z.B. Voice-over-IP, VoIP), welche einen verzögerungsfreien und kontinuierlichen Datenstrom benötigen,
stärker bevorzugt werden als der Aufruf von Webseiten. Nur so kann eine störungsfreie Verbindung gewährleistet werden.
In der Praxis gibt es Einschränkungen der theoretischen Werte. Die Reichweite beträgt
ca. 20 km bei einer Sichtverbindung und es können Datenraten bis zu 108 Mbps realisiert
werden. Da die WiMAX-Betriebsfequenz in Deutschland lizensiert ist, ist die Funkverbindung
wesentlich stabiler und wird nicht (wie bei WLAN üblich) durch zu viele Sender auf gleicher
Frequenz gestört.
Vergleich WiMAX - WLAN
Ähnlich wie bei dem heutigen WLAN
werden bei WiMAX Daten für beliebige
Anwendungen (Internet, Telefonie/Sprachübertragung,
VoIP,
digitales Fernsehen) drahtlos
(per Funk) übertragen. Anders als bei WLAN ist die Qualität der Übertragung
aufgrund verschiedener Faktoren (Frequenzband, Modulation, Sendeleistung) jedoch wesentlich besser.
|
WiMAX |
WLAN |
| Verwendung |
als regionales drahtloses Netzwerk |
als lokales drahtloses Netzwerk |
| relevante Spezifikationen: |
802.16-2004 für den stationären Empfang (sogenanntes "Fixed WiMAX") 802.16 e für den mobilen Empfang mit Notebooks oder Handys |
802.11 b (max. Bandbreite 11 Mbps) 802.11 g (max. Bandbreite 54 Mbps) |
| Reichweite |
theoretisch bis 50 km bei direkter Sichtverbindung von Sender und Empfänger in dicht bebauten Gebieten und innerhalb von Gebäuden geht man von einer Reichweite bis 600 m aus |
im Idealfall 3-6 km, in der Praxis zwischen 30 und 300 m |
| max. Übertragungsrate: |
theoretisch: 109 Mbps (bei 28 MHz Kanalbreite) in der Praxis 20 Mbps |
theoretisch: 54 Mbps in der Praxis zwischen 1 und 14 Mbps |
| QoS |
Quality of Service für Sprachübertragung integriert: Nutzung von VoIP und Videostreaming uneingeschränkt möglich |
Quality of Service für Sprachübertragung nicht integriert: Nutzung von VoIP nur und Videostreaming eingeschränkt möglich |
| Frequenzbereiche: |
2500 - 2690 MHz 3400 - 3600 MHz 5725 - 5850 MHz |
2400 - 2485 MHz 5150 - 5350 MHz 5470 - 5725 MHz
|
WiMAX in Kaiserslautern von Transkom
In Kaiserslautern betreibt die Transkom Kommunikationsnetzwerke GmbH
(www.stadtnetz-kl.de,
www.transkom.net)
ein fast flächendeckendes Funknetz auf Basis des WLAN-Standards
mit 40 TAPs (Transkom Access Points) in Kaiserslautern und einem TAP in Zweibrücken
und hat mehrjährige theoretische und praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet.
Transkom hat am 20.10.2005 den ersten WiMAX-Knoten in Kaiserslautern
in Betrieb genommen und begann mit den ersten Tests. Die WiMAX-Basisstation steht auf dem
Kaiserberg und sendet auf unterschiedlichen Frequenzen. Verwendet wird eine Rundstrahlantenne
und eine Panelantenne jeweils mit vertikaler Polarisation. Die maximale Abstrahlleistung
beträgt 5 Watt. Die maximale Datenrate des Clients ist auf 6 Mbps beschränkt. Die ersten
Tests auf einer Strecke von 2,5 km ergaben Latenzen von 23 ms bei maximalem Durchsatz.
Warum testet Transkom WiMAX?
Technologien entwickeln sich weiter. Neue Technologien müssen zunächst erprobt werden, bevor
diese in breiter Masse genutzt werden können. Transkom hat auch im WLAN-Bereich zunächst über
Monate Erfahrungen gesammelt, bis die Technik zum Einsatz kam. Auch im Bereich WiMAX will
Transkom zunächst ausreichend Erfahrungen sammeln, bis sie die Technologie einsetzen wird.
Wann wird Transkom WiMAX jedermann anbieten?
Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest, er wird nach jetziger Planung Mitte 2006 liegen.
Was wird WiMAX kosten?
Nach einer Schätzung werden die WiMAX-Endgeräte für den Einzelnen bei ca. 250,00 € liegen.
Transkom schätzt, daß die Nutzungsgebühren sich in etwa den heutigen von Transkom angebotenen
WLAN-Gebühren ähneln jedoch bei doppelter Bandbreite. Es ist ferner davon auszugehen, daß deutlich
höhere Bandbreiten auf Wunsch zur Verfügung stehen, als es derzeit mit WLAN möglich ist.
Ist es möglich, sich bei Transkom am WiMAX-Test zu beteiligen?
Ja, allerdings ist dies für die Privatperson wahrscheinlich eher zu kostspielig. Transkom bietet eine Teilnahme
am Testbetrieb an. Die Bandbreite wird je nach Teststadium variieren zwischen 1 Mbps und 6 Mbps.
Die WiMAX-Empfangsstation muss beim Hersteller erworben werden und wird von Transkom konfiguriert;
sie besteht aus einer Panelantenne, in der sämtliche Komponenten integiert sind; die Antenne muss
im Außenbereich angebracht werden. Die Kosten beim Hersteller für die WiMAX-Empfangsstation betragen
ca. 600 € (da WiMAX-Geräte derzeit nicht für den Massenmarkt produziert werden, ergibt
sich leider der hier recht hohe Einstiegspreis). Der WiMAX-Test läuft zunächst bis zum 28.02.2006. Kosten
der Datenübertragung fallen nicht an.
Transkom Kommunikationsnetzwerke GmbH
Weitere Links:
WiMAX-Forum
Informationen zu WiMAX von Intel
Breitband WLAN in Kaiserslautern
Breitband WLAN in Zweibrücken
Artikel bei Chip.de: WiMAX, das Super-WLAN
Stand: 30.01.2006